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Es war wie so oft ein Artikel in einem MTB-Fachmagazin, der mein Interesse an einer bestimmten Tour weckte.  Diesmal war es jedoch nicht irgendein Ziel fernab von zu Hause, sondern eines, das quasi vor der Haustüre liegt. Es handelte sich um eine 2-Tagestour durch das südliche Ruhrgebiet. So eine Art "Ruhrhöhenweg" als Kontrastprogramm zum Ruhrtalradweg. Die Strecke sollte eine Länge von rd. 135km mit ca. 3200 Höhenmetern aufweisen. Also ein ambitioniertes Programm, vor allem, wenn die Strecke an einem Tag absolviert werden sollte.

07-Trail_bei_Oefte

Am 11. August war es endlich so weit. An diesem Tour sollte das Unternehmen starten. Um genau 7 Uhr waren GPS-Navi, Tacho und Pulsmesser aktiviert und es ging zum vereinbarten Treffpunkt in Essen-Schönebeck, wo Henry schon auf mich wartete. Die vorhergesagten Wetterbedingungen mit leicht bewölktem Himmel und Temperaturen um die 20 Grad waren ideal. Es war zwar zu Beginn noch etwas frisch, aber bei gleichzeitiger Windstille nicht unangenehm.
Als erstes ging es darum in Mülheim zur "Originalstrecke" des Ruhrpottcross zu gelangen. Da die Welt am frühen Samstagmorgen noch in Ordnung ist, gestaltete sich die Anfahrt in die Saarner Ruhraue über Heissen sowie das Rumbach- und Forstbachtal als sehr angenehm und ruhig, denn  es waren fast keine Menschen unterwegs. Im Forstbachtal machten wir dann zum ersten Mal intensive Bekanntschaft mit mannshohen Brennnesseln und Brombeerpflanzen. Auf unseren Schienbeinen hinterließen diese "Wegbegleiter" eine Art Landkartenstruktur. Dieser "Tätowierungsakt" sollte sich im Laufe des Tages noch mehrfach wiederholen ...
Nachdem wir die Saarner Ruhraue durchquert hatten, stand mit der Auffahrt zum Auberg der erste steile Anstieg des Tages auf dem Programm. Von hier folgten wir der Abbruchkante des Höhenzuges bis zur Autobahnbrücke bei Mintard, wo es über einige Wurzeln und  Absätze recht steil  den Hang hinunter ging. Die nächsten Stationen waren der Landsberger Busch, Kettwig vor der Brücke und das Waldgebiet Oefte. Im Bereich Oefte war tlw. etwas Orientierungsgefühl erforderlich, da der GPS-Track nicht mehr den tatsächlich vorhandenen Wegen folgte - quasi eine Spätfolge des Orkans Kyrill.  Über den Pastoratsberg gelangten wir nach Werden, wo es in einer Bäckerei den ersten Verpflegungsstop mit leckerem Apfelstrudel  gab.
Nach der Überquerung der Ruhr ging es durch die Wälder nördlich des Baldeneysees (Heissiwald, Kruppwald, Schellenberger Wald), bevor der Fluss in Heisingen ein nächstes Mal überquert wurde.  Weiter ging's über Rodberg ins Asbachtal. Durch das Asbachtal führt jedes Jahr die CTF-Strecke des MSV-Steele. Dort, wo es normalerweise sehr knifflig des Berg runter geht, ging es für uns sehr steil bergauf - und zwar nicht im Sattel, sondern zu Fuß das Rad schiebend. Es folgten weitere menschenleere "Premium-Trails" bevor in Nierenhof die nächste Ortschaft erreicht wurde. Dort lockte ein Kiosk mit selbstgemachten Frikadellen. Die waren zwar schon alle weg, aber wir blieben dennoch auf einen Kaffee und ein Brötchen bzw. Stück Kuchen. Mittlerweile wurde klar, dass die ursprünglich veranschlagte Fahrzeit von ca. 9 Stunden nicht ausreichen würde. Auch wenn wir vorhatten keine längere Pause einzulegen, würde  der Tag  dennoch wohl  sehr viel länger dauern.
Weiter ging es nach Hattingen, wo die Strecke u.a. das Gelände der ehemaligen Henrichshütte durchquerte. Hinter Blankenstein folgte dann die "Tour durchs Holz". Die Zusatzbezeichnung "Holz" tragen hier die Waldgebiete Buchholz, Durchholz, Bommerholz und Vormholz , die wir tlw. auf fantastischen Single-Trails durchquerten.  Vorbei an der Ruine Hardenstein und Schloss Steinhausen, gab es in Witten-Bommern den nächsten Verpflegungsstop.  
Unsere Beine fühlten sich zwischenzeitlich nach rd. 100 Kilometern Fahrstrecke und ca. 2.200 Höhenmetern noch erstaunlich gut an. Und das war auch gut so, denn als nächstes stand die Durchquerung des Ardeygebirges auf der "To do Liste". Auch wenn sich der Körper noch gut anfühlte, die Konzentrationsfähigkeit hatte zwischenzeitlich schon etwas gelitten, wie sich im einen oder anderen technischen Abschnitt zeigte.
Über nochmals sehr schöne Trails oberhalb von Harkort-und Hengsteysee gelangten wir schließlich in den Dortmunder Süden. Leider war die Tour hier noch nicht zu Ende. Vor dem Erreichen unseres Ziels, dem Dortmunder Hauptbahnhof, hieß es zunächst noch die halbe Stadt von Süd nach Nord zu durchqueren. Dann endlich, um 19:40, waren wir am Ziel. Nach einer Strecke von 146km mit rd. 3.300hm und einer Fahrzeit von 10:35h war das Abenteuer zu Ende!
Wow! Es war eine Superstrecke, die uns durch sehr viel "unentdecktes Land" führte. Der Anteil einsamer und verkehrsfreier Trails- und Wege war enorm groß. Auch die Landschaft war "großes Kino". Die gesammelten Eindrücke müssen erst noch alle verarbeitet werden. Insgesamt in allen Belangen eine "Top-Tour". Eine Wiederholung, eventuell  in leicht optimierter Form, wird es mit Sicherheit geben.

01-Uphill_Laupendahler_Hhe 02-Schiebepassage_Schellenberger_Wald
03-Bauernhof_im_Ardeygebirge 04-Hindernisse_im_Landsberger_Busch
05-Pause_im_Bommerholz 06-Ruhrtal_bei_Blankenstein