Unser Vereinskollege Jochen Kaiser ist das Superrandonée "Belchen satt" gefahren. Hier sein Bericht:

TorZunächst einige Eckdaten zu diesem Randonée. Es hat eine Länge von ca. 600 km und ca. 10.000 Höhenmeter und kann in zwei Versionen gefahren werden, die Randonneursversion in 60 Stunden oder als Touristik-Version mit 80 km / Tag. Als Nachweis müssen an bestimmten Punkten der Strecke Fotos erstellt werden.

Mein Mitstreiter Winfried und ich hatten uns für die Randonneurs-Variante entschieden. Als Startzeitpunkt hatten wir 07.00 Uhr gewählt und so ging es am Startort Freiburg am Martinstor los.
Die Temperaturen lagen jenseits der 30°C. Es versprach für die kommenden Tage richtig warm zu werden, auch Gewitter waren angekündigt. Nach kurzem Einrollen kam sofort der erste Anstieg, der Schauinsland. Nach gefühlten Stunden kamen wir oben an und die ersten Höhenmeter waren gefahren. Das Wetter war kühler als gedacht und es tröpfelte leicht. Wir fuhren den Schauinsland runter und es ging direkt weiter auf den Belchen. Vom Belchen aus kamen wir dann direkt zum nächsten Anstieg, Tiergrüble. In 5 Stunden hatten wir 64 km zurückgelegt, das war nicht gerade viel. Bei dem Schnitt wurde mir schlecht und ich dachte, das schaffen wir nie. So fuhren wir weiter und überquerten in Laufenburg den Rhein und fuhren in die Schweiz. Mittlerweile war es richtig heiß geworden und wir waren ständig auf der Suche nach Shops um Getränke nachzukaufen. Nach 9 Stunden hatten wir immerhin schon 131km gefahren. Es ging weiter über den Chilchzimmersattel und zum Weissenstein.

Meine "Sorgenkinder der Strecke waren: der steilste Anstieg mit bis zu 20 % und die steilste Abfahrt, mit 22%. Zu letzterer gab es im Roadbook den Hinweis, unbedingt die Bremsen zu kontrollieren. Aufgrund dessen hatte ich im Vorfeld einige Teile, wie Bremszüge, Beläge, Reifen, Schläuche und Felgenbänder erneuert. Trotzdem platzte mir auf der Abfahrt hinten der Schlauch, das Felgenband war geschmolzen. Zum Glück ist aber nichts weiter passiert. Nach erfolgter Reparatur ging es dann weiter zum Chasseral, mit 1598 m der höchste Punkt der Strecke. Dort kamen wir um 01.30 Uhr morgens an. Es war bitter kalt und ein heftiger Wind wehte. So fuhren wir schnell wieder hinunter ins Tal. Da wir beide müde waren, haben wir dann in einem Wartehäuschen eines Bahnhofes versucht, zwei Stunden zu schlafen. Nach dem Aufstehen war es draußen gefühlt eiskalt. Ich war froh, dass wir nun einen unbekannten Höhenzug, nach dem anderen erklimmen konnten, um wach und warm zu werden. Dann erreichten wir die Schlucht La Goule. Die Brücke dort über den Doubs ist gleichzeitig der Grenzübergang nach Frankreich.

Fahrrad im DunkelnEin wunderschönes Tal, leider schwierig zu erreichen und mit dem Fahrrad noch schwieriger wieder zu verlassen, da es hier wieder richtig steil hinaufging. Nun ging es über Glainans und Lure mit weiteren unzähligen Hügeln und Rampen zum Ballon de Servance. Es war wieder richtig heiß geworden. Der Aufstieg auf den Ballon fing harmlos an. Nach der Bundesstrasse kam jedoch ein Feldweg mit 12 % Steigung, eher MTB-Terrain, vor allem wegen dem Sand und Dreck auf der Straße. Bei mir war nach diesem Anstieg Schongang angesagt, es lief nicht mehr wirklich rund. Von hier aus ging es dann weiter über den Ballon d'Alsace und Col du Page zum Grand Ballon. Den erklommen wir dann in der zweiten Nacht auf einer unvergleichlichen Schlaglochpiste. Zum Glück hatte ich mich einigermaßen erholt und so ging es - unter viel Geschimpfe - hinauf. Da es auch hier für eine Pause zu kalt war fuhren wir wieder runter ins Tal und pausierten auf einem Rastplatz. Zu allem Übel zog nun auch noch ein Gewitter auf. Es fing unglaublich an zu blitzen, zu donnern und zu regnen, so dass wir uns unter die Tische verzogen. Nach einer Stunde war der Spuk fast vorbei. Ich konnte mich, aufgrund der angespannten Sitz-, Hock-, Knieposition unter dem Tisch, kaum noch bewegen. Da der Regen immer noch nicht aufhörte, kam bei uns die Überlegung auf, das Brevet abzubrechen. Aber es waren nur noch 92 km bis zum Ziel, davon knapp 60 km flach durch die Rheinebene und da keiner von uns einen kürzeren Rückweg kannte, sind wir den Track einfach weitergefahren.

Essen sattEs ging nun über den Petit Ballon, zum Col Firstplan. Jetzt noch 2 kleine Hügel rauf und dann kam der Blick ins Rheintal. Wir hatten es geschafft. Jetzt ging es nur noch runter und ca. 60km flach nach Hause. Das Wetter hatte auch ein Einsehen und so ging es entspannt zurück. Nach 620 km und innerhalb der alten 56 Stunden Regel erreichten wir das Ziel. Nach dem Duschen und Umziehen galt es dann auch zunächst die Kohlenhydratspeicher aufzufüllen.

Fazit: Es ist eine wunderschöne Strecke, für alle die gerne nahtlos „Hügel“ hoch- und runterfahren. Flachetappen und Entspannungsphasen, außer zum Schluss, gibt es so gut wie keine.
Prädikat schwer, aber sehr schön.