Nach teilweise individueller Anreise trafen sich alle TeilnehmerInnen relativ früh morgens am Moerser Bahnhof, um den Niederrhein mal von seiner bergigen Seite kennen zu lernen. Denn entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass es am Niederrhein nur flach daher geht, gibt es hier durchaus Berge, die allerdings von auswärtigen Besuchern eher als “Dellen in der Landschaft“, bestenfalls noch als Hügel bezeichnet werden. Dazu aber später mehr.

kampsteiler anstieg

So machten sich also Barbara, Susanne und Henry, Heiko, Matthias, Stefan, Tobias sowie Gerd sich auf, um den unteren Niederrhein intensiv zu erfahren. Zuerst hieß das mal – raus aus der Stadt. Bis zum ersten Singletrail am Moersbach mussten wir nur ca. 1,5km über innerstädtische Straßen zurücklegen. Der größtenteils “flowig“ zu fahrende Trail führte uns nach einiger Zeit zum Damm einer Bahnstrecke, die nie in Betrieb ging. Diese Strecke sollte einst von Moers bis nach Geldern führen. Jetzt führte unsere Route über sie hinweg. Der erste Berg wurde alsbald erreicht – die Bergehalde Rheinpreussen. Mit immerhin 104m ü NN überragt sie ihr Umfeld um ca. 75m. Die Halde stellte den “Höhepunkt“ unserer Tour dar. Auf der Halde wurde vom Regionalverband Ruhr die Landmarke “Das Geleucht“ errichtet, ein Kunstwerk, das eine überdimensionale rote Grubenlampe darstellt. Von der Halde kann man übrigens den Blick auf gleich drei Gewässer genießen – den Uettelsheimer See, den Rhein und den Waldsee. Nach netten Singletrails bergab folgte anschließend eine große Runde durch den Baerler Busch mit einer kurzen Achterbahneinlage. Das kurze wellige Stück machte so viel Spaß, dass wir kurz umdrehten und noch ein zweites Mal hindurch fuhren.

Weiter ging‘s über die Moerser Ortsteile Eick und Repelen zur Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn. Hier zeigte sich zum ersten Mal an diesem Tag auch die Sonne, nachdem es zuvor etwas genieselt hatte. Die höhere Haldenregion könnte glatt als Alm durchgehen, zumindest wenn es dort Kühe geben würde. Weiter ging’s über den Ort Rayen auf den Rayer Berg, dem ersten natürlichen Hügel auf unserer Strecke. Die Niederrheiner scheinen übrigens alles als Berg zu bezeichnen, was das platte Land um mindestens 5m überragt. Insofern kann die Anzahl der Gipfel durchaus mit manchen Mittelgebirgsregionen konkurrieren. Entstanden sind diese Berge in der vorletzten Eiszeit, durch die Eisränder, der von Nordosten hervorrückenden Gletscher. Vom Rayer Berg “jagten“ wir auf einem netten Singletrail bergab nach Vluynbusch, um über das Waldgebiet “Die Littard“ nach Rheurdt zu gelangen, wo wir unsere wohlverdiente Mittagspause in einem netten Cafe verbrachten. Von dort führte uns die Route zum Kloster Kamp mit seinem bekannten Terrassengarten. Durch die beiden kleinen Waldgebiete Hoher Busch und Niederkamp gelangten wir in “Die Leucht“. Hier wachsen die für viele Wälder am Niederrhein noch so typischen Kiefernwälder, auf dem oft sandigen Boden. Nach einem kurzen Stop in Alpen führte die Route über einen schönen Trail entlang des Ostrandes der Bönninghardt. Die Bönninghardt ist wie viele andere Berge in der Region ein Teil des Niederrheinischen Höhenzuges, der sich zwischen Krefeld und Njimegen erstreckt.

In der Niederung der Hammerkämpe, traf dann Henry der Mann mit dem Hammer. Es war wohl ein nur kurzer Moment der Unaufmerksamkeit, der aber ausreichte, um Henry in den Straßengraben zu befördern. Außer einem roten Kopf war aber glücklicherweise nichts Ernstes passiert. Nach der Hammerkämpe und dem Mann mit dem Hammer folgte der nächste Anstieg in der Sonsbecker Schweiz, der wirklich idyllischen, aus welligen Feldern und Wäldern bestehenden Landschaft zwischen Sonsbeck und Xanten. Ein letzter Anstieg führte uns noch hinauf nach Birten sowie auf den Fürstenberg und anschließend nach Xanten. In einem Cafe am zentralen Marktplatz gab es noch eine letzte Einkehr, bevor wir unser Etappenziel erreichten, die Jugendherberge an der Xantener Südsee. Auf der Habenseite konnten wir 89km und rund 700 Höhenmeter verzeichnen – für den flachen Niederrhein nicht schlecht! Der Abend endete bei Bier und Wein in der Bar der Jugendherberge!

Der nächste Morgen brachte nicht nur Dimitri als neuen Mitfahrer zu uns, sondern auch die Sonne. Leider entschloss sich Matthias noch in Xanten dazu die Tour zu beenden. Hinter Xanten fuhren wir über die teilweise steilen Wege in den Waldgebieten der Hees und des Tüschenwaldes, bevor es anschließend für viele Kilometer durch den Uedemer Hochwald ging. Durch den flachen Uedemer Bruch gelangten wir zur Hohen Mühle auf dem Katzenberg in Uedem. Entlang der träge fließenden Niers gelangten wir nach Goch, wo wir in einem Cafe eine ausgedehnte Mittagspause verbrachten. Anschließend erfuhren wir von Stefan noch einiges Interessantes über die Zeit, als er noch in Goch wohnte.

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Anfangs nochmal der Niers folgend erreichten wir schließlich den Klever Reichswald, das größte zusammenhängende Waldgebiet am Niederrhein. Der Südgrenze des Waldgebietes folgend, die gleichzeitig auch die Grenze zu den Niederlanden bildet, ging es auf immer steiler werdenden Wegen durch das “Himmeltal“ auf die ersten Berge im Reichswald. Diese Berge stellten sich als richtig steile Biester dar – insbesondere der Drölsenberg (auch Drüller Berg genannt) mit seiner Höhe von 76m ü NN musste mit viel Kraftaufwand erkämpft werden. Übrigens - und das ist kein Scherz - für den Drölsenberg (Drüller Berg) kann auf einer entsprechenden Website auch das “Bergwetter“ abgerufen werden. Nach weiteren -aber nur noch wenigen Kilometern- hörte der Wald schlagartig auf und wir waren am Zielort – in Kleve. Die Stadtmitte empfing uns mit einem volksfestähnlichen Menschenauflauf, denn es war ein verkaufsoffener Sonntag in der Stadt. Größer hätte der Kontrast zum einsamen Wald nicht ausfallen können. Nochmals steuerten wir ein Cafe an, bevor der Klever Bahnhof als Etappenziel nach 79km und rund 870 Höhenmetern erreicht wurde. Von hier machte sich Dimitri mit dem MTB auf den Rückweg nach Xanten, alle anderen stiegen in den Zug, um nach Hause zu gelangen. Kurzes Fazit in drei Worten: Eine schöne Tour!